Mittwoch, 9. November 2016

Wen ich gerne als Präsidenten hätte



Gestern (die US-Amerikaner*innen waren bereits auf dem Weg zu den Urnen) war Daniel Cohn-Bendit bei France Culture eingeladen und sprach, aus französischer Sicht, von drei politischen Katastrophen: Die erste habe schon stattgefunden und sei der Brexit; die zweite wäre Donald Trump; die dritte ein zweiter Wahlgang bei den französischen Präsidentschaftswahlen mit Sarkosy-Le Pen. Er zeichnete ein (nun eingetretenes) Szenario, in dem Landesoberhäupter Trump, Putin, Orban, Erdogan heißen; selbst wenn Le Pen in Frankreich nicht gewinne, meinte Cohn-Bendit, sei das nicht gerade rosig. Und er hat nicht einmal Polen erwähnt.
Genau, dieses Szenario jetzt. Das ist, was mir am meisten Angst macht. Als nächstes könnte Österreich dran sein (auch wenn die Befugnisse des Präsidenten dort nicht mit denen eines us-amerikanischen oder französischen vergleichbar sind), Deutschland hat vermutlich noch eine Legislaturperiode länger vor sich, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis eine charismatische Figur das (personelle) politische Vakuum ausnützt, das Merkel hinterlassen hat. Das wird jemand von der AfD sein oder von einer Partei, die vielleicht noch gegründet wird und ach so überraschend 30% gewinnt. Und was ist mit Schweden, Finnland? Eine schwedische Dichterin erzählte mir, in dem Vorort von Stockholm, in dem sie lebt, seien 30% der Klassenkamerad*innen ihrer Tochter rechtsradikal. Die sind heute 17 und werden morgen wählen.
Wieso waren sich – erst Recht nach dem Brexit – eigentlich alle so sicher, Trump werde nicht gewinnen? Weil das, was nicht passieren „darf“ nicht passieren wird? Ein Blick in die Geschichte würde genügen, um zu wissen, dass sehr wohl „passieren“ kann (façon de dire; es fällt ja nichts vom Himmel), was undenkbar ist.
Jetzt wird gleich Trump ans Mikro kommen. Ich schalte das Radio aus. Das will ich mir nicht antun. Ich werde ihn noch oft genug hören müssen.
Ich wäre eh für Cohn-Bendit for president. Von irgendeinem Land, wenigstens das.


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